28.03 2009

Bürgermeisterwahl Deckenpfronn: Bärbel Sauer stand Rede und Antwort

von Redaktion RegioNews CW

baerbel-sauer-150DECKENPFRONN. Mit Bürgernähe und Erfahrung will Bürgermeister-Kandidatin Bärbel Sauer (42) in Deckenpfronn punkten. Beides ließ sich am Donnerstagabend in der „Krone“ vortrefflich verquicken: In dem kleinen Nebenraum war sie 15 Bürgern sehr nahe. Und ausreichend Gelegenheit, ihre Erfahrung unter Beweis zu stellen, bekam Bärbel Sauer obendrein.

Das Bürgergespräch fand – zumindest für die Hauptperson des Abends – unter erschwerten Bedingungen statt. Bärbel Sauer war nach eigenem Bekunden in einen 30 Kilometer langen Stau geraten und kam deshalb sechs Minuten zu spät in die Krone. „Schee bin i net“, sagte sie lachend, während Sie jeden Gast mit Handschlag begrüßte. Fürs Zurechtmachen „hat’s nimmer greicht.“ Und auch nicht dafür, ihre Themenkarten zu sortieren. „Mach ich’s halt aus dem Stegreif.“

Aus dem Stegreif erläuterte sie ihre politischen Ziele, ihre Strategie, ging hie und da weit ins Detail, und verwies immer wieder auf ihre wichtigste Informationsquellen: die Bürger. „Ich bin bewusst nicht mit einem fix und fertigen Wahlprogramm ins Rennen gegangen“, sagte sie. Die Ochsentour sollte es sein. In vielen Gesprächen mit den Deckenpfronnern, sei es an der Haustür oder bei Veranstaltungen, habe sie sich ein Bild von den vorherrschenden Bedürfnissen und Wünschen gemacht. In erster Linie daraus ergaben sich die Eckdaten ihres Programms, das zwischenzeitlich in der Zeitung, einem Flyer und auf ihrer persönlichen Internetseite nachzulesen ist.

Vor allem um das Ehrenamt, den innerörtlichen Verkehr und natürlich die Person Bärbel Sauer drehte sich der anschließende Dialog zwischen Bürgermeister-Kandidatin und potenziellen Wählern. Und es blieb nicht soft. „Sie haben uns jetzt 40 Minuten erklärt, wie Sie Geld ausgeben würden“, sagte einer der Anwesenden. Und fügte in forschem Ton hinzu: „Können Sie jetzt mal zwei Minuten lang erzählen, wie Sie Geld reinbringen?“ Maßvolle Entwicklung Deckenpfronns von rund 3000 auf 3500 Einwohner und die Stärkung des Gewerbes seien vorrangige Ziele, antwortete Bärbel Sauer. Erhöhung der Steuern und Gebühren bezeichnete sie als „allerletzten Joker“ – „davor verzichten wir lieber auf Investitionen“.

Die „sportliche Fahrweise“ (Sauer) vieler Autofahrer in der Ortsdurchfahrt und auf Nebenstraßen, allen voran der stark frequentierten Brechgasse, beschäftigte die gesellige Runde. Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt sei kaum durchzusetzen, sagte Bärbel Sauer, die von 1999 bis 2007 im Landratsamt Ludwigsburg als Mitarbeiterin der Stabsstelle des Verkehrs- und Ordnungsdezernenten arbeitete. Von Rechts wegen sei eine Senkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nur an Unfallschwerpunkten vorgesehen. Schikanen, Geschwindigkeitsdisplays, regelmäßige Veröffentlichung von Tempomessungen – die Lösungsvorschläge Bärbel Sauers rissen die Besucher nicht vom Hocker. Verschärfte Radarkontrollen, das hilft, ran an den Geldbeutel.

Für ehrenamtlich engagierte Deckenpfronner hat Bärbel Sauer viele Ideen in petto, von denen sie einige auf Nachfrage vorstellte. Ehrenamt muss sich lohnen – dieser Maxime folgend wäre als Lohn und Anerkennung ein Bonusheft mit Gutscheinen denkbar, ein offizieller Empfang mit allem Pipapo und regelmäßige Veröffentlichungen im Gemeindeblatt. „Man muss das Ehrenamt auch darstellen“, sagte sie. Natürlich stehe sie auch gerne mit Rat und Tat zur Seite, wie sie überhaupt nach Möglichkeit allen Bürgern zur Verfügung stehen wolle. „Wenn ich da bin, kann jeder an meine Tür klopfen“, sagte – das handhabe sie auch im 6600-Seelen-Ort Höfingen so, wo sie seit zwei Jahren Ortsvorsteherin ist. Wobei sie, sobald Aufgaben „eingespurt“ sind, durchaus auch kein Problem darin sehe, Arbeit zu delegieren. „Ich muss nicht alles an mich reißen.“

Ihr Gatte Jochen Sauer auch nicht. Der wird im Falle einer erfolgreichen Wahl seine Arbeitsstelle auf 50 Prozent herunter fahren und ein Homeoffice beziehen, Wohnort: Deckenpfronn. Derzeit sieht das anders aus – trotz Ortsvorsteherstelle in Höfingen wohnt die Familie Sauer in Enzweihingen, einem Teilort von Vaihingen/Enz. Wegen der beiden Kinder Hannah (12) und Martin (14), und weil Jochen Sauer in Ludwigsburg arbeitet. Die 50-Prozent-Stelle in Höfingen habe überdies nicht die nötige Sicherheit geboten, um Haus und Hof in den Leonberger Teilort zu verlegen, sagte sie am Donnerstag, die Stelle eines hauptamtlichen Ortsvorstehers sei schnell abgeschafft. Sicherheit bietet der Bürgermeisterposten auf jeden Fall. Am besten in Deckenpfronn. „Für mich“, sagt Bärbel Sauer, „passt das wie die Faust aufs Auge“.

(Für: Gäubote Herrenberg)

Nachtrag Dienstag, 31. März: Offenbar hat Bärbel Sauer ihre Kandidatur in Deckenpfronn zurück gezogen. Ihre Homepage www.sauerbaerbel.de ist nicht mehr online, sie selbst war heute nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nachtrag Mittwoch, 1. April: In einem Schreiben an Bürgermeister Winfried Kuppler hat Bärbel Sauer den Rückzug ihrer Kandidatur erklärt.

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