PFORZHEIM. Seit mehr als zwei Jahrzehnten organisiert Harfenist Rüdiger Oppermann sein „Festival der Weltmusik“ und schafft es bei jeder Neuauflage Überraschendes zu bieten. Beim jüngsten Pforzheimer Gastspiel präsentierte er so Somdy Luangnikhone und Oneta Bussady aus Laos.
Sie spielten nicht nur auf dem traditionellen und aus Bambus gefertigten Nationalinstrument Khaen Stücke, die in der Melodie eher monoton, dennoch aber rhythmisch sind. Oppermann brachte die beiden laotischen Musiker auf der Bühne auch mit Kollegen aus den USA zusammen und leistete damit „praktische Friedensarbeit auf der Bühne“ (Oppermann).
Schließlich sei Laos im Zuge des Vietnamkriegs durch amerikanische Bomben nahezu vollständig zerstört worden. Während des verheerenden Krieges seien mehr Bomben über Laos abgeworfen worden, als während des gesamte Zweiten Weltkrieges auf Deutschland und Japan zusammen. Grund: Der berühmt-berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad habe über laotisches Gebiet geführt und sei damit zum Hauptziel amerikanischer Bombardierungen geworden. Was Oppermann freut: Die traditionelle Musik der Laoten hat den Krieg und die danach fast 40-jährigen Abschottung des Landes überlebt. Erstmals seit Öffnung des Landes sei es nun gelungen, laotische Musiker für eine Tournee zu verpflichten.
Es waren aber nicht allein Somdy Luangnikhone und Oneta Bussady, die für ihr beeindruckendes Spiel mit Khaen und einer ebenfalls aus dünnem Bambus gefertigten Flöte viel Beifall erhielten. Auch die beiden türkischen Instrumentalisten Selçuk Balçi und Yasar Keskin wurden mit viel Applaus bedacht, nachdem sie mit ihren Saiteninstrumenten namens Kemençe traditionelle Tanzweisen aus dem Schwarzmeergebiet vorgetragen hatten. Faszinierend dabei, mit welcher Geschwindigkeit die beiden Musiker ihren dreisaitigen Instrumenten mit violinenähnlichem Klang Melodien mit großer Dynamik enlockten.
Ganz im Kontrast zu den laotischen und türkischen Klängen die Darbietungen von Jemmy Bluestein und Rachel Eddie (USA), die mit Banjo und Geige in erster Linie amerikanische Oldtime-Songs zum Besten gaben, im Zusammenspiel mit Rüdiger Oppermann (Harfen und Banjo), dem aus Ostfriesland stammenden Gitarristen und Flötisten Jørgen W. Lang sowie dem indischen Percussionisten Jatinder Thakur aber auch meditativ-berauschende Klangwelten erschufen.
Dies bei einer zum Abschluss gespielten afghanischen Weise ebenso, wie bei der Interpretation von Oppermanns „Mekong Journey Diary“, einer Komposition, die nach seiner jüngsten Reise auf dem asiatischen Strom entstanden ist und den Lauf des Flusses nebst der finalen Vermengung des Fluss- und Meerwassers in wohlig warmen Klängen akustisch nachzuzeichnen versucht.

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