23. November 2009

Auch Ernst Messerschmid ist von Thomas de Padovas “Weltgeheimnis” begeistert

von Redaktion RegioNews CW

WEIL DER STADT. Der Wissenschaftsjournalist und Buchautor Thomas de Padova hat in Weil der Stadt seine Publikation “Weltgeheimnis” mit einer Lesung vorgestellt und dabei das Leben und Wirken von Johannes Kepler und Galileo Galilei teilweise neu beleuchtet.

Der Physiker und Astronaut Ernst Messerschmid lässt sich von Thomas de Padova sein Exemplar von "Weltgeheimis" signieren.

Der Physiker und Astronaut Ernst Messerschmid lässt sich von Thomas de Padova sein Exemplar von "Weltgeheimis" signieren.

„Sind Sie auch Mitglied der Kepler-Gesellschaft?“ Nur kurz blickt Thomas de Padova vom Buch auf, welches er gerade auf Wunsch des Herren signiert, der sich gemeinsam mit seiner Ehefrau vor dem Büchertisch positioniert hat. „Ja“, so die kurze Antwort des Gefragten, der hernach mit einer weiteren Frage konfrontiert wird: „Und? Sind Sie auch Hobbyastronom?“ Auf die Antwort wartend lässt de Padova sein Schreibgerät weiter über die Buchseite tanzen, auf welcher er sein Autogramm hinterlässt und erschrickt vorsichtig, als er erfährt, dass sein Gegenüber weit mehr als nur ein Hobbyastronom ist: „Ich war einer der ersten Deutschen, der die keplerschen Gesetze im Weltraum persönlich erlebt hat“, vernimmt de Padova aus dezent schmunzelndem Mund und erkennt beim Blick nach oben, wer ihm gegenübersteht: Ernst Messerschmid.

1985 hatte der 1945 in Reutlingen Geborene gemeinsam mit Reinhard Furrer bei der Mission „D1“ an Bord der US-Raumfähre „Challenger“ in den Weiten des Weltalls mehr als 70 wissenschaftliche Experimente begleitet und dabei auch hautnah erfahren, was Kepler rund vier Jahrhunderte zuvor formuliert hatte.

Messerschmid war am Freitagabend im Vortragsraum der Weil der Städter Volksbankfiliale nur einer von vielen Zuhörern, die auf Einladung der Kepler-Gesellschaft gekommen waren, um sich von Thomas de Padova bei einer Lesung aus dem kürzlich veröffentlichten Buch „Das Weltgeheimnis“ vor Augen führen zu lassen, in welchem Verhältnis die beiden Mathematiker, Physiker und Astronomen Galileo Galilei und Johannes Kepler gestanden haben, wie die beiden Wissenschaftler miteinander kommuniziert und sich gegenseitig in ihrem Schaffen beeinflusst haben.

Thomas de Padova, 1965 in Neuwied geboren und bis 2005 als Wissenschaftsjournalist beim Berliner Tagesspiegel tätig, hat das Leben und Wirken „der beiden Universalgelehrten“ (de Padova) ergründet und insbesondere deren direkte und indirekte Korrespondenz – „viele Informationen sind über Dritte kommuniziert worden“ – studiert. Ergebnis: Ein Buch, das die Vermessung des Himmels durch Galileo Galilei mit der Veröffentlichung der keplerschen Planetengesetzte und dessen moderne Himmelsphysik auf spannende Weise gegenüberstellt.

De Padova erzählt erstmals „die ungleiche Beziehung der beiden so unterschiedlichen Forscher: Galilei, in künstlerischem Umfeld aufgewachsen, bastelt und experimentiert. Dem studierten Theologen Kepler dagegen geht es um den großen Weltentwurf. Gleichzeitig, jeder auf seine Art, greifen sie dabei nach den Sternen“, fasst das Verlagshaus Piper die Publikation zusammen, welche in Österreich für den Preis „Bestes Wissenschaftsbuch“ vorgeschlagen ist.

Thomas de Padova trägt bei seinem Weil der Städter Besuch nicht nur aus seinem Buch vor. Er nimmt die Zuhörer, die ihm über fast 75 Minuten gespannt lauschen, auch mit auf eine Reise in jene Zeit, als die Entdeckungen der beiden Protagonisten seines Buches für heftige Diskussionen sorgten und mehr waren, als nur astronomische Neubestimmungen. De Padova beschreibt das jeweilige Lebensumfeld von Kepler und Galilei und lässt deutlich werden, dass Kepler deutlich schwierigere Voraussetzungen hatte, um seinem Drang nach der Erforschung des Weltalls nachzugehen. De Padova berichtet von Keplers schwärmerischer Begeisterung für Galileo Galileis Entwicklung des Fernrohrs, mit welchem neue und bis dahin nicht sichtbare Himmelskörper entdeckt werden konnten und macht gleichzeitig deutlich, dass der in Padua lebende Galilei nicht die gleiche Sympathie für seinen deutschen Kollegen hegte.

Der schriftliche Austausch in italienischer und lateinischer Sprache geht denn auch mehr von Kepler aus, der mit seiner Anerkennung und Begeisterung für Galileis Schaffen schließlich auch den Grundstein für dessen spätere wissenschaftliche Anerkennung legt, während der italienische Wissenschaftler Keplers Forschungsergebnisse eher als Spinnereien abtut. De Padovas Fazit: Während Galileo Galilei nicht zuletzt durch seine Ignoranz gegenüber Keplers die wissenschaftliche Gesellschaft in gewisser Weise spaltet, ist der in Weil der Stadt geborene Kepler „ein kongenialer Denker und hemmungslos Interessierter“, der die eigene Person nie zu wichtig nimmt und die Wissenschaft ganz in den Mittelpunkt seines Lebens stellt.

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