23. November 2009

Humorist Rolf Miller bringt mit “Tatsachen” die Zwerchfelle zum Beben

von Redaktion RegioNews CW

PFORZHEIM. Er ist ein Wortkünstler der besonderen Art und wird für seine Kunst des Weglassens, des Lückenschaffens und des Nichtsagens von seinem Publikum geliebt: Rolf Miller. Mit seinem aktuellen Programm „Tatsachen“ hat der in Stuttgart lebende Humorist Station im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld gemacht.

Sorgt für Lacher: Kabarettist Rolf Miller

Sorgt für Lacher: Kabarettist Rolf Miller

Miller ist ein Wortjongleur der besondere Art, der es blendend versteht, mit seinem Ringen um die richtigen Worte solch pointierte Sätze zu gestalten, dass es schwer fällt, nicht zu lachen. Während seine Kollegen bei der Gestaltung ihrer Programme zumeist an wohlfeinen Formulierungen feilen, hat es sich Miller zur Aufgabe gemacht, seinen Sätzen durch Reduktion auf weniger als das Nötigste ebenso Gewicht zu verleihen, wie durch durch Wortverdrehungen, die altbekannten Sätzen und ebensolchen Binsenweisheiten neuen Sinn geben. Ganz gleich ob Miller einem Freund zur Bewältigung der Beziehungskrise rät, die Freundin beim Schweigen nicht zu unterbrechen, „denn Frauen die Schweigen haben meist was zu sagen“ oder ob er die Gutgläubigkeit der Amerikaner während der Finanzkrise in absolut verbaler Reduktion mit „wenn blöd, dann gescheit“ charakterisiert: Miller trifft mit seinen Worten stets den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.

Munter schwadroniert der im Spannungsverhältnis von Comedy und Kabarett agierende Miller von Alltagserlebnissen zu Themen der Politik, nimmt die deutsche Medienwelt sarkastisch ins Visier und macht mit Sätzen wie „Man muss die Tatsachen mal im Dorf lassen…“, „Wenn wir die Erde nicht ganz lassen geht sie kaputt…“ oder „Die Frau ist zu wahr um schön zu sein…“ offenbar: Dümmer geht immer.

Die sinnlosen und zumeist völlig sinnentleerten Phrasen, die Miller mit dezentem Charme von der Bühne schmettert, stecken voll verballhornter Metaphern und Redewendungen, die – pointiert eingesetzt – oft erst nach kurzer Denkpause ihre Wirkung voll entfalten und das Publikum schallend lachen machen. Mal erzählt er „von Katastrophen, Unglücken und anderen schlimmen Sachen wie 11. September und Mauerfall“ um hernach zum Ergebnis zu kommen, dass die Freude über letzteres Ereignis heute längst Geschichte ist; mal amüsiert er sich über Frauenfußball, der technisch heute so gut ist „dass er mit Frauenfußball nichts mehr zu tun hat“; mal resümiert er, dass er, bei der vermeintlichen Wahl schwarz oder Indianer zu sein, immer Indianer wählen würde, denn: „Als Schwarzer mit der Panflöte in der Fußgängerzone hast du verloren.“ Und schwarzhumorig kommentiert Miller auch Michael Jacksons Tod: Dieser habe halt das Bleichmittel nicht vertragen und „selbst sein Hautarzt konnte ihm am Ende nicht mehr helfen“.

Ein gelungener Abend, bei dem der Spaß zu keiner zu kurz kam und Miller am Ende mit Nachdruck unterstrich: Wer’s nicht kapiert hat, der hat sein Programm verstanden. Wo er Recht hat hat er Recht.

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