10. Februar 2010

Zink weg, Weigl kommt – Schömbergs neuer Kurmanager im RegioNews-Interview

von Redaktion RegioNews CW

SCHÖMBERG. “Unter uns”-Fans werden sich den Namen leicht merken können: Till Weigl wird neuer Kurmanager in Schömberg. Er folgt dem geschassten Torsten Zink zum 1. April nach. Im Interview mit den RegioNews CW hat er sich und seine Ziele vorgestellt.

Schömbergs neuer Kurmanager Till Weigl

Herr Weigl, wie kam es dazu, dass Sie Kurmanager in Schömberg werden?

Schon vor meines Studiums an der Internationalen FH Bad Honnef-Bonn mit dem Schwerpunkt Tourismus Management und Marketing war mir bewusst, dass ich irgendwas in der Reisebranche machen wollte. Spätestens als ich mich während meiner Diplomarbeit genauer mit Images und Markenpersönlichkeiten von Reisezielen beschäftigte war für mich klar, dass ich im Bereich Destinationsmarketing arbeiten wollte.

Als es dann mit meiner ersten Bewerbung nicht geklappt hatte wollte ich nicht aufgeben und habe das TilliT-Network gegründet, um jungen Profis in ähnlicher Situation eine Plattform zu bieten. Mein erster Klient war dann der Gasthof zur Linde in Dobel, für den ich eine neue Webseite gestaltet und ein neues Marketingkonzept aufgestellt hatte. Zeitgleich habe ich für das 2. Dobler Schlittenhunderennen ein paar Sponsoren gefunden und wurde dann vom TSV Dobel angefragt, ob wir nicht bei der Planung des 1. Dobler Europalaufes mithelfen wollten.

Dies war dann auch das erste Großprojekt für meine Agentur. Ich denke, dass es dem Erfolg des Europalaufes geschuldet ist, dass ich von Schömberg angefragt wurde, ob wir nicht ein Konzept für eine Weihnachtsaktion entwickeln könnten. Der Rest ist Geschichte.

Was mich an meinem Werdegang besonders freut ist, dass jede Station im Schwarzwald mit vielen netten Menschen und mittlerweile einigen guten Freunden gepflastert ist. Daher wird mir mein Umzug in den Schwarzwald eher leicht fallen, da sich bei mir immer ein gewisses Gefühl von „nach Hause kommen“ einstellt, sobald ich hinter Pforzheim die ersten Tannenwipfel sehen kann.

Essen und Schömberg liegen mehr als ein Steinwurf voneinander entfernt. Warum haben sie sich überhaupt in den Nordschwarzwald beworben (2008 schon)?

Ich sehe im Schwarzwald, speziell im Nordschwarzwald, sehr großes Potential, dessen sich viele Einheimische gar nicht bewusst sind. Ich bin viel um die Welt gereist und habe viele Arbeitserfahrungen im Ausland gesammelt. Dabei wurde mir bewusst, wie wenig eigentlich in Deutschland in den Tourismus – immerhin die größte Industrie der Welt – investiert wird.

Natürlich macht man sich dann seine Gedanken und entwickelt Strategien und Ideen. Gerade der Nordschwarzwald ist ein Paradebeispiel für Understatement. Schon allein die Fragestellung „Warum ausgerechnet der Nordschwarzwald?“ – eine Frage die mir häufig gestellt wird – bestätigt dies.

Als ich dann von der vakanten Stelle in Schömberg gehört hatte war für mich direkt klar, dass dies der ideale Ort ist, um etwas zu bewegen.

Wie schnell sind jetzt in der zweiten Runde die Würfel für Sie als Kurmanager gefallen?

Ich wurde nach dem Schömberger Weihnachtsglück von Seiten der Gemeinde angesprochen, dass man sich mich in der Rolle des Stadtmarketingleiters vorstellen könnte und ob ich Interesse hätte. Es gab in unseren Vorstellungen viele Synergien, weshalb die Entscheidung letztlich sehr schnell gefallen ist.

Wie haben Sie den Wirbel um Ihren Vorgänger Torsten Zink erlebt?

Ich habe erst während des Weihnachtsglücks von der Kündigung Herrn Zinks erfahren. Ich schätze Herrn Zink und seine Arbeit sehr und war ebenso überrascht wie wohl die meisten Schömberger. Den Rest habe ich aus der Zeitung erfahren. Die Angelegenheit geht mich auch nichts an, das ist Sache zwischen Herrn Zink und der Gemeinde.

Werden sie schon vor dem offiziellen Amtsantritt im April in Schömberg präsent sein?

Ja, da ich vorbereitet am 1. April meine Stelle antreten möchte. Ich möchte mir ein Bild von den jetzigen Vorgängen machen und natürlich weiter Kontakte zur Gemeinde knüpfen. Das nächste Mal bin ich Ende Februar zur Bürgerversammlung in Schömberg.

Des Weiteren gilt es, die anstehende Glückswoche mit vorzubereiten, immerhin sind es ab April nur noch knapp vier Monate bis zu dieser Großveranstaltung.

Haben sie Kontakt zu den Gastronomen, Hoteliers und Gewerbetreibenden?

Ein Großteil der Schömberger Gastronomen, Hoteliers und Gewerbetreibenden ist mir bekannt. Schon während des Weihnachtsglücks hatte ich die Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen und viele hervorragende Gespräche zu führen, immerhin war ein Teil der Aufgabe meiner Agentur das Innenmarketing und die Koordination der Teilnehmer.

Jetzt muss ich das Vertrauen der Menschen gewinnen. Mir ist ein persönlicher Kontakt sehr wichtig. Ich definiere die Rolle des Stadtmarketingleiters auch als Mediator zwischen allen Teilhabern.

Wie haben sie sich ein Bild von Schömberg gemacht, sich mit der Gemeinde beschäftigt?

Den besten Einblick konnte ich während des Schömberger Weihnachtsglücks gewinnen, als es für mich und meine Agentur hieß, möglichst ganz Schömberg zur Teilnahme zu bewegen. Also haben wir uns auf die „Ochsentour“ begeben, alle Teilnehmer persönlich zu besuchen und individuelle Konzepte zu entwickeln, wie man sich am besten bei der Aktion mit einbringen kann.

Ich habe viele Gespräche mit Einheimischen geführt, saß stundenlang an Stammtischen und habe einfach zugehört. Dabei wurde ich schon früh mit alten Wunden und negativen Erfahrungen früherer Veranstaltungen konfrontiert, und ich konnte mir ein erstes Bild von der Psyche der Gemeinde machen. Umso erfreuter war ich, als wir den ersten Runden Tisch zur Veranstaltung einberufen haben und tatsächlich fast alle Gewerbetreibenden, Hoteliers und Vereine an einem Tisch saßen.

Auch bei der ersten Versammlung zur Glückswoche waren wieder sehr viele bekannte Gesichter zugegen, was mir beweist, dass Schömberg einen richtigen Weg eingeschlagen hat.

Was braucht Schömberg, welche Arbeitsschwerpunkte setzen Sie?

Ich denke, im Großen und Ganzen besitzt Schömberg so ziemlich alles, was ein Ort dieser Größe für den Tourismus benötigt. Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass vieles schlechter geredet wird, als es tatsächlich ist. Ich würde der Gemeinde gerne ein neues Selbstwertgefühl geben, daher wird einer meiner Schwerpunkte im direkten Kontakt mit Hotellerie, Gewerbe, Vereinen und dem Kurwesen liegen.

Ich war schwer beeindruckt vom Ideenreichtum der Schömberger während des Weihnachtsglücks, als Vereine, Gewerbe und Gastronomie eng zusammen gearbeitet haben. Wenn jeder seine Stärken in die Waagschale wirft, dann wird es ein Leichtes sein, Schwächen zu überwinden.

Das gleiche gilt übrigens auch für die regionale Zusammenarbeit. Denn nur Schömberg alleine kann den Nordschwarzwald als Destination nicht nach vorne bringen. Nur wenn alle Gemeinden und Städte gemeinsam an einem Strang ziehen, um Kirchturmdenken zu überwinden und um einer gemeinsamen Vision nachzugehen wird es mit der Region touristisch wieder bergauf gehen. Das erfordert natürlich viel Graswurzelarbeit und kann nicht von heute auf morgen passieren. Aber ich bin ein geduldiger Mensch.

Wo sehen Sie Ausbaupotenzial?

Schömberg besitzt eine sehr gute Infrastruktur und ein interessantes Einzugsgebiet.

Natürlich muss man sich auch Gedanken darüber machen, wen man im Rahmen einer Marketingkampagne eigentlich ansprechen möchte. Neben dem klassischen Kurtourismus sehe ich den Shoppingtourismus – speziell innerhalb der Region – als wichtigen Standfuß. Hierfür muss das Erlebnis Schömberg mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Im Grunde kann ich hier alles bekommen, was ich brauche und muss mich nicht in anonymen Shopping Malls verirren. Das ist etwas, was in unserer heutigen Zeit von vielen Menschen wieder sehr geschätzt wird. Das ganze gepaart mit persönlicher Beratung und dem reichhaltigen kulinarischen Angebot der Schömberger Gastronomen ist ein klarer Vorteil für die Gemeinde.

Meiner Meinung nach liegt der Rückgang im Tourismus weniger an der Angebotspalette, sondern viel mehr an einem mangelnden Selbstbewusstsein der Region und einer daraus resultierenden schwachen Kommunikationsstrategie. Gerade die Jugend weiß doch heute nichts mehr über den Schwarzwald. Ich werde sehr häufig auf meine Arbeit im Schwarzwald angesprochen und höre immer wieder die gleichen Klischees: Alte Leute, Kuckucksuhren, Schwarzwälder Kirschtorte und Bollenhut. Dass es hier überragende Natur, gute Luft und vor allem jede Menge Aktivitäten jenseits der Kneippkur gibt ist den wenigsten bekannt.

Als dann viele Freunde und Bekannte aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet hier her kamen (zum Beispiel während des Dobler Schlittenhunderennens, des Europalaufes oder während des Weihnachtsglücks) waren sie begeistert von der Region und haben mir versprochen wieder zu kommen.

Dies sind Faktoren die genutzt und entsprechend an die jeweilige Zielgruppe kommuniziert werden müssen. Speziell hierfür bedarf es einer neuen Homepage, welche ich als erstes großes Projekt, neben der Glückswoche, umsetzen möchte.

Wie stehen Sie zu dem Glückskonzept?

Ich unterstütze es und werde es fortführen. Herr Zink hat mit der Besetzung der Nische „Glück“ als Leitmotiv für die Gemeinde Schömberg sehr gute Arbeit geleistet. Natürlich besteht die Gefahr der Beliebigkeit, und damit das Image des Glücks glaubwürdig ist, muss zuerst Schömberg diese neue Identität annehmen. Aber ich glaube, dass hier schon der richtige Weg eingeschlagen wurde. Jetzt ist es wichtig, das Thema auch nach innen zu kommunizieren und mit Inhalt zu füllen. Nicht nur Gäste und Besucher sollen sich in Schömberg wohl und glücklich fühlen, sondern als erstes die Schömberger selber.

Gibt es etwas, das sie auf jeden Fall verändern wollen?

Zuerst muss ich schauen, wo Schömberg jetzt steht, um dann gemeinsam mit allen Teilhabern festzulegen, wo die Reise hinführen soll. Man darf nicht vergessen, dass ich erst mal der „Neue“ bin, und bevor ich etwas verändern kann, muss ich erstmal lernen zu verstehen, wie Schömberg überhaupt tickt. Ich würde sehr gerne Erfahrung und Tradition mit Jugend und Innovation kombinieren. Meine persönliche Strategie hierfür lautet „Alte Pfade, neue Wege“.

Was wird ihre erste Amtshandlung sein?

Ich werde mich mit meinem Team beschäftigen. Immerhin ist mein erster Arbeitstag ausgerechnet Gründonnerstag, und daher denke ich, dass wir es für den ersten Tag etwas ruhiger angehen lassen werden. Ich glaube, dass wir intern viel zu besprechen haben werden. Richtig los geht es dann nach Ostern.

Was wird aus ihrer Agentur in Essen?

Wir sind zurzeit dabei das TilliT-Network neu aufzustellen. Wir haben hierbei den großen Vorteil, dass wir keine Agentur im eigentlichen Sinne sind, sondern ein Netzwerk aus Freiberuflern und Freischaffenden aus allen Bereichen, von Veranstaltungsmanagement über Marketing bis hin zu Webdesign und PR. Das Netzwerk wird weiter existieren, allerdings unter neuer Führung, damit ich mich voll auf Schömberg konzentrieren kann.

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