2. März 2010

SPD will bessere Integration behinderter Menschen erreichen

von Redaktion RegioNews CW

CALW. „Inklusion ist heute noch eine Vision, aber kein Illu­sion.“ Dieses Fazit zieht Saskia Esken als stellvertretende Vor­sitzende der SPD-Kreistagsfraktion am Ende eines An­trags, mit dem die SPD ihre Forderungen nach gemeinsamer Ausbil­dung von behinderten und nicht behinderten Kinder und Ju­gendlichen bei der jüngsten Sitzung des Kultur- und Sozial­ausschusses (KSA) unterstrichen hat.

Die SPD hat die Kreisverwaltung aufgefor­dert, den Kreistag um­fassend darüber zu informieren, wel­che Kinderta­ges­ein­rich­tungen und welche allgemein bildenden Schulen be­reits heu­te ein Förderangebot für Kinder und Jugendliche mit Be­hin­derungen anbieten und wie die Einrich­tungen dabei durch den Landkreis materiell, finanziell und perso­nell unter­stützt wer­den.

Außerdem möchte die SPD-Kreis­tagsfraktion von der Kreis­verwaltung Auskunft darüber, mit welchen konkre­ten Maß­nahmen der Landkreis Calw in den nächsten Jah­ren den Pa­ragraph 24 der UN-Konvention über die Rechte behin­derter Men­schen umsetzen möchte, in wel­chem das Recht auf in­klu­sive An­gebote im Bereich der Kindertageseinrichtun­gen und Schulen, der Arbeitswelt und Freizeit festge­schrieben wurde. Auch will die SPD wissen, welche Verbän­de, Organi­sationen, Ver­eine und weitere Gruppen der Land­kreis in die Umsetzung einzube­ziehen gedenkt.

Die SPD-Fraktion will erreichen, dass Kindertageseinrichtun­gen und allgemein bildenden Schulen im Land­kreis Calw da­zu befähigt werden, behinderten und nicht behinderten Kin­dern und Jugendlichen ein inklusives Bildungsangebot zu ma­chen. Das Miteinander der Kinder sei für alle wichtig, denn: „Unter­schiedlichkeit in menschlichen Ge­meinschaften ist ein Nor­mal­zustand und ist auch als solcher zu behandeln“, so der An­trag der SPD.

Schlüssel bei der Wahl der Bildungseinrich­tung müssten daher die individuellen Lernmöglich­keiten und der Unterstützungsbedarf des einzelnen Kindes sein. Dazu brauche es „ein flächendeckendes Netz an Regelschulen, in dem Schülerinnen und Schüler mit Behinderung ein ihren in­di­viduellen Bedürfnissen entsprechen­des Förder- und Unter­stützungsangebot erhalten. Sie sollen in ihrem räumlich-sozia­len Umfeld, also wohnortnah, eine inklu­sive Regelschule vor­fin­den“, so die SPD in ihrem Antrag.

Obwohl schon geraume Zeit fertiggestellt, wurde erst vor we­ni­gen Tagen ein Bericht mit Empfehlungen des Ex­per­ten­ra­tes veröffentlicht, wel­cher im Auftrag der Lan­des­re­gierung den Ist-Zustand untersucht und daraus resul­tierend eine Op­ti­mie­rung und teilweise Neuausrichtung des bestehen­den Bil­dungs­systems vorgeschlagen hat.

Die SPD-Kreistagsfraktion begrüßt und unterstützt die Forde­rung der Landes-SPD, die mit Bezug auf die Empfehlungen des Expertenrates ein echtes Wahlrecht bei der Auswahl der Schule für Kinder mit Behinderungen erreichen will. Ins­be­son­dere der SPD-Bil­dungs­experte Norbert Zel­ler hat für die Sozial­demokraten ge­for­dert, dass „die Eltern nach einer in­ten­si­ven Beratung selbst ent­scheiden können, ob sie ihr be­hin­der­tes Kind in einer Sonderschule oder in einer all­gemein bil­den­den Schule unterrichten lassen“.

Bei der Forderung nach Inklusion geht es aus SPD-Sicht auch nicht darum, bestehende Förder­schulen auf­zulösen oder auf die Kompetenzen der Sonderpäd­agogen zu verzichten, son­dern den Familien Wahlfreiheit und kon­kre­te Unterstützung an jeder auf Inklusion ausgelegten Re­gel­schu­le zu bieten. Die SPD will eine Umsetzung der Exper­ten­em­pfehlungen noch in dieser Legislaturperiode erreichen.

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