21.08 2009

Wohnheim-Brand in Calw: Es war Brandstiftung!

von Redaktion RegioNews CW

CALW. Wie die Polizeidirektion Calw mitteilt, war der Brand der Erlacher Höhe in Calw mit vier Todesopfern die Folge einer Brandstiftung. Ein 22-jähriger Mann hat gestanden, das Haus angezündet zu haben.

Die Waiblinger Kriminalpolizei hat den mutmaßlichen Täter – ein berufsloser, angelernter Maler – am gestrigen Donnerstag (20.08.) gegen 11.20 Uhr in der Waiblinger Fußgängerzone widerstandslos festgenommen. Der 22-jährige Deutsche war seit Oktober 2006 Bewohner der Erlacher Höhe in Calw.

Er hat die Tat bei seiner Vernehmung durch die Calwer Kriminalpolizei gestanden und als Motiv Suizidabsicht angegeben. In seinem Zimmer im dritten Stock legte er den Brand. Als er den Rauch sah, habe ihn aber der Mut und er das Gebäude verlassen. Dies ohne sich um den zuvor gelegten Brand zu kümmern. Das viergeschossigen Haus, in dem zwölf ehemals Obdachlose untergebracht waren, brannte vollständig aus.

Drei der inzwischen obduzierten Leichen konnten von der Tübinger Gerichtsmedizin durch Zahnvergleiche inzwischen eindeutig identifiziert werden. Bei der vierten Leiche sei die sichere Identifizierung bislang noch nicht gelungen. Dies teilten der Calwer Polizeichef Joachim Kurz und der leitende Tübinger Staatsanwalt Walter Vollmer in Calw mit.

Pressekonferenz bei der Polizeidirektion Calw

Pressekonferenz bei der Polizeidirektion Calw

„Wir gehen inzwischen davon aus, dass es sich um vierfachem vollendeten Mord sowie mehrfachen versuchten Mord sowie Brandstiftung mit Todesfolge geht“, so der leitende Tübinger Staatsanwalt Vollmer. „Der Täter wollte das Gebäude anzünden und das ist ihm gelungen.“

Dies habe er im Wissen getan, dass weitere Menschen in dem Gebäude wohnen. „Daraus ergibt sich für uns der klare Verdacht der Tötung.“ Vollmer geht davon aus, dass der Prozess gegen den potenziellen Brandstifter in Tübingen stattfinden wird. Dabei müsse er im Falle eines Schuldspruchs mit der Höchststrafe rechnen: lebenslänglich.

Nachdem der 22-Jährige das Haus verlassen hatte, fuhr er zunächst zu seinem Bruder nach Winnenden. Dort habe er um Aufnahme gebeten, da er in Calw „rausgeflogen“ sei. Da die Polizei einen der zwölf ehemals Obdachlosen vermisste, stieß sie bei den Ermittlungen auf den in Winnenden lebenden Bruder des Vermissten. Am Folgetag wurde er von der Waiblinger Polizei um die Mittagszeit festgenommen.

Bei der Vernehmung in Calw gestand er die Tat und schilderte auch detailliert den Hergang. Reue oder Betroffenheit habe der polizeilich bislang nicht in Erscheinung getretene potenzielle Brandstifter dabei nicht gezeigt. Er wird als introvertiert und verschlossen, depressiv und psychisch labil bezeichnet.

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Bei dem verheerenden Brand kamen vier Männer im Alter zwischen 38 und 59 Jahren ums Leben, zwei weitere zogen sich durch den rettenden Sprung aus dem Dachgeschoss schwere Verletzungen zu, sind inzwischen aber glücklicherweise außer Lebensgefahr.

Einer der beiden Männer ist inzwischen an der Wirbelsäule, an welcher er sich starker Verletzungen zugezogen hatte, operiert worden. Der 31-Jährige hatte kurz vor dem Ausbruch des Brandes wohl einen Streit im darunter liegenden Geschoss wahrgenommen – wenige Minuten später habe es bereits lichterloh gebrannt. Daher habe es als einzige Möglichkeit den Sprung aus dem Fenster gegeben, hatte er seine traumatischen Erlebnisse gegenüber Dritten geschildert.


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  1. Vier Tote bei Brand in Calw - Dachstuhl der Erlacher Höhe ging in Flammen auf | RegioNews CW schrieb am 21. August 2009 um 09:27 Uhr:

    [...] Zum Artikel: Es war Brandstiftung! [...]

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