7.02 2011

GASTBEITRAG: Tierschutz – Wen geht das was an?!?

von Redaktion RegioNews CW

Der Grundhaltung der meisten Mitmenschen ist: Ich muss mich nicht um den Tierschutz kümmern. Dafür gibt es doch Vereine, Organisationen und es reicht ja vollkommen wenn ich vielleicht auch mal was Spende oder in einer dieser Organisationen passives Mitglied bin.

von SONIA PELTIER-DREIER (Kassenwartin Tierschutz Oberes Nagoldtal e.V.)

Letztere sind ja wenigstens erste positive Ansätze aber die Arbeit bleibt meist immer auf einem kleinen Kreis ehrenamtlicher Mitglieder hängen.

Im Oberen Nagoldtal gibt es jetzt seit fast 30 Jahren den Tierschutz Oberes Nagoldtal e.V.. Dieser Verein setzt sich in den ganzen Jahren stark für die Tiere in den neun ehemaligen Vertragsgemeinden/Städte (Altensteig, Ebhausen, Rohrdorf, Nagold, Egenhausen, Simmersfeld, Neubulach, Wildberg, Haiterbach) ein. In private Pflegestellen wurden jedes Jahr viele Kleintiere aufgenommen, gepflegt und in gute Hände vermittelt oder bei Wildtieren diese wieder in die Freiheit übergeben.

Finanzieren tut sich dieser Verein über die Mitgliedsbeiträge, Spenden und bis 31.12.2010 durch die Pauschalen der Gemeinden/Städte. Diese Pauschale hat jedoch gerade mal 50% der Tierarztkosten gedeckt, Futtermittel und sonstige Aufwände waren hierdurch nicht gedeckt bzw. berücksichtigt. Jede Stadt und Gemeinde ist gesetzlich Verpflichtet sich um die Versorgung von Fundtieren oder verletzten Wildtieren zu kümmern, diese Aufgabe hatte der Verein jetzt viele Jahre den Gemeinden/Städten abgenommen – und das nicht kostendeckend.

In 2009 hat der Verein eine wichtige Pflegestelle verloren, da die Pflegestelleninhaberin die auch Vorstandsmitglied war überraschend aus dem Leben schied. In einer weiteren Pflegestelle ist die Inhaberin bereits über 70 Jahre und hat nach vielen Jahren ohne Urlaub und einem Rund um die Uhr Service keine Kraft mehr die verantwortungsvolle Aufgabe weiterhin auszuüben. Andere Pflegestellen haben wenig Platz oder können nicht regelmäßig Tiere aufnehmen.

Nun muss man wissen was es bedeutet in seinen Privaten Wänden eine Pflegestelle zu haben:

7 Tage/24 Stunden Service, jede Menge Leid und Schmerz wenn man ein Tier nicht durchbekommt, viel Dreck – die Räume müssen regelmäßig auf hohem Niveau gesäubert werden, Geruchsbelästigung, Organisation der ärztlichen Versorgung und Durchgangsverkehr für die Interessenten. Hochachtung an all die Pflegestellen die das auf sich nehmen um die Tiere zu schützen.

Da die Suche nach neuen Pflegestellen erfolglos blieb lag es nah sich ab dem Jahr 2009 intensiv um ein Tierheim/ Tierauffangstation in einer der 9 Gemeinden zu bemühen. Die Gemeinden und Städte wurden um Mithilfe gebeten. Wie so oft fühlte sich keine der Gemeinden/Städte hier Angesprochen bzw. Verantwortlich. Dadurch war der Verein gezwungen die Verträge im Jahr 2009 mit Ablauf des Jahres 2010 zu kündigen. Die Tieraufnahme- Versorgung ohne Pflegestellen ist nicht mehr realisierbar. Jedoch hat der Verein die Gemeinden/Städte um Mithilfe bei der Suche nach einem geeigneten Standort gebeten. Sollte innerhalb der Kündigungsfirst ein Tierheim/Tierauffangstation eingerichtet werden – hätte man die Verträge verlängert.

Mitte 2010 hat der Verein ein Angebot für ein zum Verkauf stehenden, für die Zwecke des Vereins geeigneten bebauten Grundstück, abgegeben. Obwohl der Verein der Meistbietende war – die Gemeinde hat einen Weg gefunden nicht dem Verein den verdienten ZUSCHLAG zu geben. Jetzt könnte man rechtlich dagegen vorgehen – aber dadurch wäre kurzfristig dem Verein und den Tieren nicht geholfen.

Heute, Anfang des Jahres 2011 wo die Verträge mit den Gemeinden und Städten ausgelaufen sind muss der Verein feststellen, dass all die Arbeit im Namen der Tiere der letzten Jahre von den 9 Gemeinden/Städten mit den Füßen getreten wird.

Nur wenige der 9 Gemeinden/Städte haben ein persönliches Gespräch seit Bekanntgabe der notwendigen Kündigung im Jahr 2009 mit dem Verein gesucht. Keine der 9 Gemeinden/Städte hat ein wirkliches Interesse an ein Tierheim/Tierauffangstation und hat auch kein Respekt für die in der Vergangenheit erbrachte Leistung des Vereins. Lieber schließen die Gemeinden und Städte Vereinbarung/Verträge mit weitentlegenen Tierheimen, anderen Organisationen oder beauftragen gegen Entgelt Privatpersonen – zu meist ohne jegliche fachliche Ausbildung und Kenntnis mit der Versorgung der Fundtiere die ab 01.01.2011 jetzt direkt bei den Städten und Gemeinden zu melden bzw. abzugeben sind.

Es macht einen traurig, wenn man mit ansehen muss, dass weder Bitten um Mithilfe noch das notgedrungene Kündigen der Verträge hier ein Umdenken gebracht hat.

Was ist in Ihren Augen der Tierschutz wert? Was ist das Ehrenamt in einem Tierschutzverein noch wert?


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