10.03 2011

Lesermeinung: K 21 statt S 21 – FDP und S 21

von Redaktion RegioNews CW

Folgende beiden Leserbriefe erreichten die Redaktion der RegioNews:

1. K 21 statt S 21

Oben sind Licht, Luft, Sonnenschein, unten Langeweile, Dunkelheit, Tod“ heißt es bei uns K21-Befürwortern, Abertausenden, die ein bis zwei Mal die Woche demonstrieren. Es sind Abertausende auch wenn, wie es geschieht, nur ein Viertel bis Drittel der tatsächlichen Teilnehmerzahl offiziell zugegeben wird. Die lächerlichen Dutzendschaften der S21er treffen sich etwa im Vierteljahresrhythmus, werden allerdings von Berufsleserbriefschreibern und – was schwerer wiegt – aus Steuermitteln (Werbung mit primitivsten Aussagen, Hochglanzprospekte, geschönten Modelle, Unterschriften von Entscheidungsträgern für S21, die selbst nie Zug fahren, aber Pendlern aus dem Schwarzwald unterirdische Umwege zumuten) unterstützt.

Es wird verschwiegen, dass am Flughafen zwei (!) verschiedene Bahnhöfe dazu führen würden, dass die gepriesene kurze Reisezeit nach Ulm aus Richtung Rottweil/Freudenstadt ins Gegenteil verkehrt wird, dass Architekt Otto wegen schwerer Sicherheitsbedenken aus S21 ausgestiegen ist, der verbliebene Ingenhoven eng mit dem Investor ECE zusammenhängt sowie, dass die beiden anderen Finanzausgleich-Geberländer Bayern und Hessen schon früh entsprechende Planungen für München und Frankfurt trotz einfacherer Geologie aufgaben, dass Christ- und Freidemokraten Parteibücher und Bundesverdienstkreuze zurückgaben.

Bei allem Verständnis für Bodenständigkeit im Ländle und dafür, dass Herrenknecht aus der Ortenau Tunnelbohrmaschinen auch mal im eigenen Land einsetzen will: Er kann das bei K21 im Osten von Stuttgart zur Anbindung an die Neubaustrecke gerne tun, aber als Fahrgast- und Verbrauchervertreter und Steuerzahler möchte ich mir nicht von den „Volksvertretern“ dreimal mehr als bei K21 superteure Tunnelstrecke (plus Dauer-Instandhaltung) gegenüber dem in jeder bahntechnischen und ökologischen Hinsicht überlegenen Konzept aufbürden lassen.

2. FDP und S 21

Nur ein einziger FDP-Landtagskandidat (Jens Hagen aus Villingen) hat mir seine Gegnerschaft zu S21 bestätigt. Dabei handelt es sich auch nach Fasnacht um ein Projekt der Narren, unökologisch schon deshalb, weil alle Züge mit gewaltigem Energieaufwand in alle Richtungen durch diesen (aus Gleisfeld-Hass?) künstlich geschaffenen Engpass aus der Stadt hochgetrieben werden müssen. Dem rational und christlich Gesonnenen bleibt daher, als kleinstes Übel, und nur darum geht es ja bei jeder Wahl, diesmal der grüne Kretschmann als bürgerliche Alternative zum Rechtskonservatismus zum einen sowie zum Sozialismus auf der anderen Seite.

Der stellvertretende Ministerpräsident und Justizminister Professor Goll, hat sich durch seine mehrfache Verunglimpfung der wahren Bahnexperten, die halt unterhalb des DB-Vorstands zu finden sind, für kritische Kontrolle der Mehrheitspartei CDU als genauso wenig geeignet erwiesen, wie die FDP-Landtagsfraktion, die nach dem „Schwarzen Donnerstag“ nicht einmal einen Untersuchungsausschuss einsetzen wollte, um die Vorgänge wenigstens aufzuklären.

Wir brauchen zwar keine Lichtgestalt (diese wäre dann Jesus, nicht zu Guttenberg), wohl aber Menschen mit Anstand und Niveau wie den Sternekoch Klenk, den Schauspieler Sittler, den SWR-Eisenbahner von Ortloff, die Diakonisse, die ich bei Montagsdemos treffe, Herrn Hopfenzitz als ehemaligen Bahnhofsleiter und Millionen mehr, die sich dem teuersten Wahnwitz, der anmaßendsten menschlichen Hybris in der europäischen Bahn- und Baugeschichte, widersetzen.

Reinhard Freitag (Ex-FDP-Aktivist), Freudenstadt – Anm. der Redaktion: Reinhard Freitag war Bundestagskandidat für die FDP


Auf Facebook kommentieren |

3 Meinungen wurden abgegeben - Schreiben auch Sie uns Ihre Meinung.

  1. omgwtfbbq schrieb am 10. März 2011 um 21:44 Uhr:

    Stimmt, ich ziehe auch immer einen Herrn Studienrat, der spanisch und französisch auf Lehramt studiert hat, eine Diakonisse und einen Schauspieler zu Rate, wenn es um ein Infrastruktur-Projekt gewaltigen Ausmaßes geht.

    Genau so wie ich eine Fleischereifachverkäuferin damit beauftragen würde, CERN zu leiten.

    Diese Anmaßungen, die sich Menschen speziell aus dieser Schicht kommend herhausnehmen, ist widerlich – interessant, dass bei solchen Themen stets fest mit dieser Kaste zu rechnen ist; ich habe vor einigen Wochen, bald evtl. sogar Monaten einen interessanten Bericht über den Ruhrpott gelesen, der darüber informierte, dass in einem Viertel mit primär Arbeitern, denen das leibliche Wohl am wichtigsten ist, ein zukunftsdeutendes Projekt problemlos in kürzester Zeit realisierbar war, welches sowohl Umweltschutz als auch Kostensenkungen FÜR die Betroffenen bedeutete. Kommentar des Bezirksrats(?): Dies ist vermutlich primär darauf zurückzuführen, das in dieser Gegend quasi keine Lehrer wohnen.

    Hier geht es schlicht darum das eigene Ego und die vorherrschende Geltungssucht zu befriedigen, nicht einen pragmatischen Dialog oder Diskurs zu führen.

    Es tut mir sehr leid, wenn es mir nicht gelungen ist mich dem vorgegebenen Sprach-Niveau des Autors anzupassen, als angehender Bauingenieur liegen mir andere Dinge mehr.

  2. Reinhard Freitag schrieb am 12. März 2011 um 02:18 Uhr:

    Werter omgwtfbbq,

    auch meine wesentlich mehr als die romanischen Sprachen (und gar nicht mal auf Lehramt i.e.S.) umfassende berufliche Biographie wird Sie vermutlich nicht von Ihrer Polemik abbringen. Nehmen Sie aber zur Kenntnis, dass ich seit fast zwei Jahrzehnten verkehrs- und verbraucherpolitisch aktiv bin und – vor allem – Bahn fahre. Abgesehen davon, dass die 60 (fast alle besseren und billigeren) Alternativen bei S21 nie ernsthaft geprüft wurden, weil der Immo-Profit für die Bahn (die ja eigentlich uns allen gehört) und einige Investoren nicht ganz so hoch ausfallen würde, ist ja gerade das Problem, dass in unserer unvollständigen Demokratie Parlamentarier abstimmungsberechtigt waren, die mitnichten informierter als die von Ihnen Geschmähten sind.
    Bezeichnend auch, dass Sie sich nicht trauen, die Herren Hopfenzitz, Otto und von Ortloff u.v.a. auch noch zu schmähen. Hoffentlich wissen Sie wenigstens, wieviele, nicht nur angehende, Bauingenieure und ähnliche zu den K21ern gehören. Wenn es Genugtuung für Sie ist: Lehrer, mein aktuell ausgeübter Beruf, ist auch eigentlicher Beruf vom immer noch im Amt befindlichen OB Sauerland in Duisburg, im Ruhrgebiet, wo “in kürzester Zeit”, aber mit zweifelhaftem Erfolg, die Loveparade “realisierbar” war. Das (!) war Geltungssucht etc. wie Köln in NRW, aber auch die Katastrophen im Alleskönnerländle von Nagold 1906 bis Staufen im Breisgau erst vor kurzem oder das bereits jetzt durch S21Minus ausgelöste S-Bahn-Chaos.
    Mit freundlichen, pragmatischen (ich gehe nämlich davon aus, dass mein Engagement mit zum Oben bleiben! bzw. neutraler: zur technischen besseren, weil sichereren und demokratischeren Lösung beiträgt) und dialogbereiten (warum denn nicht??) Grüßen rkw

  3. TanteD schrieb am 22. März 2011 um 14:37 Uhr:

    Sehr geehrter Herr Freitag,
    vielen Dank für Ihre Beiträge. Der Erste war schon gut, aber der Zweite ist gigantisch! Herzlichen Dank und ich werd mir nun ein Taschentuch suchen gehen um mir die Lachtränen wegzuwischen. Sie haben wunderbar gekontert! Weiter so!!!!!

Kommentar schreiben


Abonnieren Sie den RSS Feed für Kommentare. So werden Sie bei neuen Beiträgen informiert.

TrackBack-URL